Freitag, 17. Juli 2026

Google muss Android öffnen 🤖 Muratis offenes KI-Modell 🧠 Apple verklagt OpenAI ⚖️

Willkommen zur Freitag-Ausgabe von ki2min. Heute im Fokus: neue Spielregeln aus Brüssel, frische KI-Modelle und die nächste Runde im Milliardenpoker der Branche.

EU zwingt Google, Android ab 2027 für KI-Assistenten wie ChatGPT, Claude und Le Chat gleichberechtigt zu öffnen und anonymisierte Suchdaten mit Rivalen zu teilen

7 Min. Lesezeit

  • Die EU-Kommission hat zwei rechtlich bindende DMA-Entscheidungen erlassen: Fremd-Assistenten müssen denselben tiefen Android-Zugriff wie Googles Gemini bekommen, also Sprachaktivierung per Aktivierungswort, das Auslesen des Bildschirminhalts und agentische Mehrschritt-Aktionen quer über Apps (Taxi buchen, Essen bestellen). Rund 60 Prozent der EU-Nutzer sind auf Android, du kannst also künftig ChatGPT, Claude, Mistrals Le Chat oder Perplexity als vollwertigen System-Assistenten einsetzen.
  • Zweite Entscheidung: Google muss anonymisierte Suchdaten, dieselben, mit denen es die eigene Suche optimiert, zu einer festen Preisformel an konkurrierende Suchmaschinen und an KI-Chatbots mit Suchfunktion weitergeben. Das senkt die Einstiegshürde für europäische Such- und KI-Anbieter, wenn deine Sichtbarkeit an Suche oder KI-Suche hängt, bekommst du mehr Alternativen und mehr Wettbewerb.
  • Zeitplan mit Geduldsprobe: Die Suchdaten fließen ab Januar 2027, die Android-Änderungen greifen für Nutzer ab Juli 2027 (Android 18 bis August 2027, gleichzeitige Aktivierungswörter erst mit Android 19 bis 2028). Bußgelder gibt es keine, es ist ein Spezifikationsverfahren, und Google kann klagen. Plane also nicht mit Änderungen über Nacht.
  • Google wehrt sich und warnt, die Öffnung untergrabe Datenschutz und Sicherheit von Millionen Europäern. Rechne mit einem längeren Rechtsstreit, aber auch mit neuen Einwilligungs- und Berechtigungsdialogen, über die deine Nutzer künftig selbst entscheiden, welcher Assistent auf welche Gerätefunktionen zugreifen darf.

Ex-OpenAI-Chefin Muratis Start-up Thinking Machines bringt mit Inkling ein offenes 975-Milliarden-Parameter-Modell zum Selbst-Hosten und Feintunen

2 Min. Lesezeit

  • Inkling nutzt eine Mixture-of-Experts-Architektur: Von 975 Milliarden Parametern sind pro Token nur 41 Milliarden aktiv, das drückt Rechenaufwand, Antwortzeit und Betriebskosten. Dazu kommen ein Kontextfenster von bis zu 1 Million Tokens und multimodale Auswertung von Text, Bild und Audio.
  • Anders als die Spitzenmodelle von OpenAI, Anthropic und Google sind die Gewichte offen (Apache 2.0) und auf Hugging Face abrufbar. Du kannst Inkling auf eigener Hardware oder in deiner Cloud betreiben und über die hauseigene Plattform Tinker mit eigenen Daten feintunen, ein DSGVO-freundlicher On-Premise-Weg ohne Abhängigkeit von geschlossenen US-APIs. Die Kehrseite: Leitplanken, Output-Prüfung und Audit-Log musst du selbst bauen.
  • Inkling ist laut unabhängigen Tests das derzeit stärkste offene US-Modell, bleibt aber hinter den besten offenen China-Modellen zurück. Thinking Machines wettet bewusst darauf, dass für viele Firmen ein kontrollierbares, anpassbares Basismodell mehr zählt als das leistungsstärkste Universalmodell. Bewerte also nach Eignung für deinen Anwendungsfall, nicht nach Benchmark-Rang.
  • Zusätzlich gibt es eine Vorschau der kleineren Variante Inkling-Small für günstigere und schnellere Anwendungen, interessant für Einsatzfälle, bei denen Kosten und Latenz wichtiger sind als maximale Leistung.

Apple verklagt OpenAI wegen Geheimnisverrats, während OpenAI mit über 400 Ex-Apple-Leuten und Jony Ive einen bildschirmlosen KI-Speaker baut und die Sonos-Aktie um 10 Prozent fällt

2 Min. Lesezeit

  • Apple wirft OpenAI und zwei früheren Mitarbeitern Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen und systematische Abwerbung vor. Prominentester Überläufer ist Tang Tan, über 20 Jahre bei Apple und dort verantwortlich für das Design von iPhone und Apple Watch, heute Hardware-Chef bei OpenAI. Bewerber sollen laut Klage sogar Apple-Bauteile zu Job-Interviews mitgebracht haben.
  • Hintergrund ist OpenAIs Hardware-Offensive: 6,5 Milliarden Dollar für Jony Ives Start-up io Products und laut Klage über 400 ehemalige Apple-Beschäftigte. Gebaut wird ein mobiler, bildschirmloser Smart Speaker als KI-Heimcomputer mit der Sprachtechnik GPT-Live. Der Kampf um den Assistenten verlagert sich damit vom Smartphone ins Wohnzimmer.
  • Der Markt reagierte nervös: Die Sonos-Aktie fiel zeitweise um mehr als 10 Prozent, Musk und Altman beschimpften sich öffentlich. Für DACH-Hersteller von Smart-Home- und Endgeräten heißt das: Über den Erfolg im Consumer-KI-Markt entscheidet nicht die Modellgüte, sondern die Verzahnung von Hardware und persönlichen Daten, die Nutzer langfristig bindet.
  • Pikant: Apple und OpenAI waren bei Siri Partner. Inzwischen setzt Apple für die neue Siri AI verstärkt auf Googles Gemini, die Allianzen in der Branche werden gerade neu sortiert.

DeepSeek bereitet Börsengang und neue Runde bei rund 71 bis 75 Milliarden Dollar vor, Anthropic und OpenAI drängen ebenfalls an die Börse

4 Min. Lesezeit

  • DeepSeek aus Hangzhou bereitet einen Börsengang vor (Unterlagen noch dieses Jahr, Listing in Shanghai voraussichtlich 2027) und sammelt parallel frisches Kapital: je nach Bericht 1,5 bis 7,4 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von rund 71 bis 75 Milliarden. Erst Ende Mai lag die Bewertung bei 52 Milliarden. Der Kapitalhunger kommt vom Ausbau eigener Rechenzentren im Gigawatt-Maßstab und eigener KI-Chips.
  • Der Markt reift: Anthropic organisiert bereits Investorentreffen und könnte schon im Oktober an die Börse gehen (vertraulicher SEC-Antrag), womit es OpenAI zuvorkäme, das ebenfalls eingereicht hat. Für dich als Anwender relevant: Ein Börsengang zwingt zur Offenlegung echter Zahlen und Margen, achte in den Prospekten auf die realen Kosten pro Token und die Verlustraten, das ist ein Signal für die Stabilität deines Anbieters.
  • Der Trend dahinter: Chinesische Open-Weight-Modelle machten im Frühjahr rund 41 Prozent der Hugging-Face-Downloads aus und überholten die US-Modelle, auf OpenRouter stammen die sechs beliebtesten Modelle allesamt aus China. DeepSeeks V4 Pro liegt hinter US-Spitze und dem chinesischen GLM-5.2, ist pro Aufgabe aber deutlich günstiger. Günstige, leistungsfähige Optionen gibt es also, wäge in Compliance und Sicherheit aber die höhere Halluzinationsrate und die Nähe zum chinesischen Staat ab.

Chip-Engpass verschärft sich: TSMC stockt US-Investitionen auf bis zu 265 Milliarden Dollar auf, SK Hynix warnt vor Speicherknappheit bis über 2030, China drosselt Helium-Export

2 Min. Lesezeit

  • TSMC erhöht seine US-Investitionen von 165 auf bis zu 265 Milliarden Dollar, denkbar sind vier weitere Werke mit "2 Nanometer oder besser", das Capex-Budget 2026 liegt bei 60 bis 64 Milliarden. Parallel baut TSMC 13 neue Werke in Taiwan, eines in Japan und das ESMC-Werk in Dresden. Die Nachfrage bleibt laut TSMC bis mindestens 2029/2030 stark, neue Kapazität kommt aber erst zum Ende des Jahrzehnts.
  • SK-Hynix-Chef Kwak Noh-jung warnt vor einer beispiellosen Speicherknappheit, die 2027 beginnt und bis über 2030 hinaus anhält, besonders beim High-Bandwidth-Memory für Nvidias KI-Beschleuniger. Für dich heißt das steigende Preise und knappere Verfügbarkeit bei KI-Hardware: Sichere Beschaffung und Lieferverträge früh ab und plane bei Servern und Speicher mit höheren Budgets.
  • China hat zudem befristete Exportkontrollen auf Helium verhängt, das zur Kühlung und Reinhaltung in der Chipfertigung nötig ist. Peking importiert über 85 Prozent seines Bedarfs (die Hälfte aus Katar) und reagiert auf Lieferausfälle durch den Iran-Krieg und russische Beschränkungen. Kein politisches Druckmittel, aber ein weiteres Warnsignal für die ohnehin angespannte Chip-Lieferkette, das auch europäische Zulieferer beobachten sollten.

26 Ex-Beschäftigte verklagen Meta: Eine KI-Rangliste soll Kranke, Schwangere und Behinderte bei der Entlassung von 10 Prozent der Belegschaft benachteiligt haben

2 Min. Lesezeit

  • 26 frühere Mitarbeiter ziehen in den USA gegen Meta vor Gericht. Grundlage der Massenkündigung vom 20. Mai, bei der 10 Prozent der Belegschaft gehen mussten, sei eine per KI erstellte Rangliste aller Mitarbeiter gewesen. Der Streit könnte zu einem Präzedenzfall für den Einsatz von KI in Personalentscheidungen werden.
  • Gefüttert wurde die Rangliste laut Klage unter anderem mit dem Verbrauch von KI-Tokens, der Überwachung von Tastatur und Aktivität, selbst trainierten "second brain"-Agenten und dem internen Chatbot Metamate. Wer wegen Krankheit, Mutterschutz oder Elternzeit nicht arbeitete, verbrauchte keine Tokens und wurde schlechter bewertet, Meta habe die Liste trotz rechtlicher Pflicht nicht korrigiert.
  • Für DACH-Arbeitgeber ist der Fall eine Warnung: Wer KI-Ranglisten für Personalentscheidungen nutzt, riskiert Verstöße gegen Antidiskriminierungs- und Arbeitsrecht. Sinnvoll ist, eine nachweisbare menschliche Entscheidung zu dokumentieren, Systeme auf Benachteiligung zu prüfen und geschützte Gruppen aus automatischen Bewertungen herauszunehmen. Meta bestreitet die Vorwürfe und verweist darauf, dass Manager entschieden hätten.

Energieversorger enercity öffnet seine Kundenverwaltung per MCP-Schnittstelle für ChatGPT, Kunden melden Zählerstände künftig direkt im Chatbot

2 Min. Lesezeit

  • enercity (vormals Stadtwerke Hannover) lässt Kunden Verträge verwalten und Zählerstände direkt in ChatGPT melden. Statt eine eigene KI zu bauen, hat das Unternehmen mit seiner Digitaltochter LYNQTECH eine Model-Context-Protocol-Schnittstelle (MCP) programmiert, ein konkretes und günstiges Muster, wie du bestehende Systeme im DACH-Raum für Sprachmodelle zugänglich machst.
  • MCP ist modellunabhängig, enercity will die Funktion auf weitere Sprachmodelle ausweiten. Für dich als Idee: Statt einen eigenen Chatbot zu entwickeln, kannst du dein Backend über einen MCP-Server öffnen, damit Kunden die KI nutzen, die sie ohnehin schon haben. Dass Apple kürzlich einen MCP-Server in Safari integriert hat, zeigt, wie schnell sich das Protokoll durchsetzt.
  • Die Grenzen: enercity gibt bewusst wenig Daten frei (kein voller Name, keine Adresse), doch alles, was aktiv abgefragt oder hochgeladen wird, läuft über OpenAIs Server, nur zahlende Konten können das Training abschalten. Halluzinationen wurden minimiert, aber nicht ausgeschlossen. In regulierten und DSGVO-sensiblen Bereichen solltest du Komfort und Datenschutz abwägen und klassische Kontaktwege offen halten, so wie enercity es tut.

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