Mittwoch, 5. August 2026
EU-Fonds mit 5 Mrd. 💶 KI-Kunden rebellieren 🔄 IT-Jobmarkt kühlt 📉
Willkommen zur Mittwoch-Ausgabe von ki2min. Heute: ein 5-Milliarden-Fonds aus Brüssel, ein Jobmarkt im Umbruch und ein Blick in die Bücher von Palantir und AMD.
EU macht 5-Milliarden-Fonds Scaleup Europe startklar: Erste Investments in europäische KI- und Techfirmen fließen in den kommenden Wochen
2 Min. Lesezeit
- Der Fonds ist jetzt rechtlich voll handlungsfähig und wird Teil des European Innovation Council Fund. Die Investmententscheidungen trifft das schwedische Private-Equity-Haus EQT eigenständig nach marktüblichen Kriterien, nicht Brüsseler Beamte.
- Zu den Gründungsinvestoren zählen neben der Kommission (über Horizon Europe) die Allianz-Gruppe, Novo Holdings, Intesa Sanpaolo und der Pensionsinvestor APG. Weitere Gelder sollen schrittweise eingeworben werden.
- Im Fokus stehen KI, Quantentechnologie, Biotech und Clean Tech, also genau die kapitalintensiven Felder, in denen europäische Firmen bisher oft in die USA abwanderten, weil es hier an Wachstumskapital für die späte Phase fehlte.
- Für dich relevant: Wer ein schnell wachsendes Tech-Unternehmen im DACH-Raum führt oder als Zulieferer andocken will, bekommt mit EQT einen neuen, gut gefüllten Ansprechpartner für große Finanzierungsrunden in Europa.
Großkunden wie Figma und ElevenLabs erwägen Ausstieg bei OpenAI und Anthropic, weil ihre KI-Lieferanten selbst zu Konkurrenten werden
18 Min. Lesezeit
- Investor Jason Calacanis nennt ElevenLabs, Figma und Lovable, die laut seiner Darstellung 50 bis 100 Millionen Dollar pro Jahr an die Modellanbieter zahlen. Eine Bestätigung der Unternehmen gibt es nicht, es ist seine Einschätzung.
- Der Auslöser: Anthropic wächst vom reinen Modelllieferanten zum Produktunternehmen und dringt in Design, Programmierung, Recht und Finanzen vor. Mit Claude Design greift es Figma direkt an.
- Das Risiko liegt in den Daten: Wer einem Anbieter zahlt, liefert mit jedem API-Aufruf die Nutzungsmuster mit, aus denen dieser ein Konkurrenzprodukt bauen kann.
- Die Konsequenz für deine Firma: zweite Bezugsquelle aufbauen, den Modellzugriff hinter eine eigene Abstraktionsschicht legen und in Verträge Wettbewerbsverbote sowie eine harte Klausel zur Verwertung eigener Nutzungsdaten aufnehmen.
Deutscher IT-Jobmarkt kühlt ab: Informatik-Stellenangebote um ein Drittel geschrumpft, Arbeitslosigkeit auf Höchststand seit 2011
4 Min. Lesezeit
- Der VDI-Ingenieurmonitor zählt 58.392 Arbeitslose in Ingenieur- und IT-Berufen, 16,7 Prozent mehr als vor einem Jahr und der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 2011. Gleichzeitig sank die Zahl der offenen Stellen um 18,2 Prozent auf 96.760.
- Am härtesten trifft es die Informatik mit einem Drittel weniger Ausschreibungen. Laut Indeed erreicht die Softwareentwicklung nur noch etwa die Hälfte des Stellenniveaus der Nach-Corona-Jahre, regional leiden vor allem Bayern und Baden-Württemberg unter der Autokrise.
- Für Arbeitgeber heißt das: Der Bewerbermarkt entspannt sich spürbar, gute Leute sind leichter zu bekommen als seit Jahren. Wer jetzt einstellt, hat die bessere Verhandlungsposition.
- Aber Vorsicht vor dem Kurzschluss: Der VDI warnt, dass Digitalisierung und Energiewende den Fachkräftebedarf langfristig hochhalten. Wer bei Nachwuchs und Qualifizierung spart, dem fehlt die Expertise bei der nächsten Erholung.
HappyRobot wird mit 150 Millionen Dollar Series C zum Unicorn, österreichischer Investor WaVe-X und Telekom-Tochter T.Capital sind dabei
3 Min. Lesezeit
- Die von Prysm Capital angeführte Runde bewertet das Startup mit 1,2 Milliarden Dollar. Neben a16z und Y Combinator steigen Koch Disruptive Technologies, Orange, T.Capital der Deutschen Telekom und WaVe-X, der CVC-Arm der niederösterreichischen WALTER GROUP, ein.
- HappyRobot baut KI-Agenten, die Telefonate, E-Mails und Abstimmungen zwischen Unternehmenssystemen eigenständig erledigen. Über 150 Unternehmenskunden nutzen sie laut Anbieter, darunter DHL, Kuehne + Nagel und Uber.
- Neue Agenten gehen demnach typischerweise innerhalb von vier bis zwölf Wochen live. Ein Kunde automatisiert 28.000 Arbeitsstunden pro Monat, im Kundenservice liegt die automatisierte Lösungsquote bei über 70 Prozent.
- Die Vorzeige-Kundenliste aus Logistik, Energie und Versicherungen zeigt, wo Kommunikation in der Realwirtschaft zuerst automatisiert wird. LKW WALTER aus Österreich setzt die Agenten bereits im eigenen Transportgeschäft ein.
Fraunhofer entwickelt Deepfake-Warner für Videocalls: Lokale Analyse zeigt live, ob dein Gegenüber echt ist
2 Min. Lesezeit
- Fraunhofer SIT in Darmstadt und der Standort Heilbronn kombinieren Audio- und Videoanalyse per maschinellem Lernen und zeigen während des laufenden Calls eine Wahrscheinlichkeit an, ob das Gegenüber echt ist.
- Die gesamte Analyse läuft lokal auf einem Rechner mit moderner Grafikkarte und zwölf Gigabyte Grafikspeicher. Bild- und Tondaten müssen nicht an externe Server, was die Lösung für vertrauliche Geschäftsgespräche tauglich macht.
- Dahinter steht ein reales Risiko: In einem heise-Experiment genügten Sekunden, um einen Kollegen per Live-Deepfake zu täuschen und vertrauliche Daten zu erschleichen. Gerade bei Zahlungsfreigaben und Identitätsprüfungen im Videocall steigt der Handlungsdruck.
- Die Einschränkungen: Es gibt noch keine Angaben zu Erkennungsrate und Fehlalarmen, der Demonstrator ist noch in der Erprobung, und weil Gesichts- und Stimmmerkmale ausgewertet werden, dürfte die DSGVO eine Zustimmung der Teilnehmer verlangen.
Krypto-Börse Bybit holt sich österreichische E-Geld-Lizenz und wird damit zum Zahlungsdienstleister für ganz Europa
3 Min. Lesezeit
- Die Bybit Payments GmbH hat von der FMA eine Lizenz als E-Geld-Institut erhalten. Damit darf Bybit neben Krypto-Diensten künftig reguliertes E-Geld ausgeben und Zahlungsdienste anbieten.
- Erlaubt sind Direktzahlungen von Person zu Person, Open-Banking-Funktionen, Zahlungslösungen für Händler und perspektivisch Kartenprogramme. Es ist aber keine Banklizenz: keine Einlagen, keine Kredite.
- Dank des europäischen Pass-Prinzips sollen die Dienste im gesamten Europäischen Wirtschaftsraum verfügbar sein, mit Ausnahme Maltas. Einen Starttermin für die Produkte nannte das Unternehmen noch nicht.
- Für Händler im DACH-Raum: Künftig könnte eine Krypto-native Alternative zu klassischen Payment-Anbietern entstehen. Österreich festigt mit MiCAR- plus EMI-Lizenz seine Rolle als EU-Heimat regulierter Krypto-Fintechs.
Palantir fast verdoppelt Umsatz auf 1,94 Milliarden Dollar und hebt Jahresprognose an, Aktie steigt nachbörslich um 9 Prozent
1 Min. Lesezeit
- Das Umsatzplus von 93 Prozent im Jahresvergleich liegt deutlich über den Analystenerwartungen von rund 1,8 Milliarden Dollar. Allein binnen drei Monaten wuchs der Umsatz um rund ein Fünftel.
- Das US-Regierungsgeschäft wuchs um 90 Prozent auf 809 Millionen Dollar, das US-Unternehmensgeschäft sogar um 149 Prozent auf 764 Millionen. Auch Großbritannien hat zuletzt einen Milliardenvertrag für militärische Produkte abgeschlossen.
- Für deutsche Unternehmen bleibt Palantir ein zweischneidiges Thema: Der Erfolg zeigt, dass Datenanalyse-Plattformen im großen Stil verkäuflich sind, die Debatte um europäische Alternativen und Datensouveränität wird das nicht kleiner machen.
AMD meldet Rekordquartal mit 11,5 Milliarden Dollar Umsatz und 107 Prozent Datacenter-Wachstum, die Aktie fällt trotzdem
3 Min. Lesezeit
- Die Datacenter-Sparte steuert 6,7 Milliarden Dollar bei und wächst 107 Prozent im Jahresvergleich. Sowohl Epyc-Prozessoren als auch Instinct-Beschleuniger verkaufen sich stark, der Cashflow steigt um 62 Prozent auf knapp 2,4 Milliarden Dollar.
- Auffällig: Der Nettogewinn von 2,3 Milliarden liegt über dem Betriebsgewinn von 2 Milliarden, weil AMD 598 Millionen Dollar sonstige Einnahmen verbucht, darunter 483 Millionen aus langfristigen Beteiligungen. Solche Renditen aus KI-Investments häufen sich gerade branchenweit.
- Für den Einkauf von Hardware ist das eine gute Nachricht: Der Wettbewerb mit Nvidia läuft und AMD verdient kräftig daran. Auf mittlere Sicht dürfte das die Preise für KI-Rechenleistung drücken, auch wenn der Speicherchip-Engpass vorerst gegenläufig wirkt.
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